Gießen, GER (Christoph SommerfeldNach einem fulminaten Jahr steht der Rüddingshausener Trap-Schütze Luca Faulstich im B-Kader des deutschen Schützenbundes. Damit ist zunächst einmal garantiert, dass der 20-jährige Rabenauer weiterhin Leistungssport auf hohem Niveau betreiben kann.

20150201 01 faulstichLuca Faulstich hat seine Krieghoff-Flinte im Anschlag, die Wange gegen den Schaft gepresst. Mit einem kurzen »Ha« löst er die Wurfmaschine aus, die die Tontaube in die Luft schleudert. Bevor sie auf dem Boden landet, muss sie der 20-Jährige mit seiner Schrotladung getroffen haben. Und darin ist er einfach gut. Bei 119 Scheiben von 125 liegt momentan die Bestleistung des Rüddingshauseners, der nach einem sehr erfolgreichen Jahr 2014 im B-Kader der Männer des Deutschen Schützenbundes (DSB) steht. 

Damit ist zunächst einmal garantiert, dass Faulstich weiterhin Leistungssport auf hohem Niveau betreiben kann. »Für die Mitglieder im B-Kader sind die Kosten für sämtliche Trainingsmaßnahmen und Wettkämpfe in der Förderung enthalten. Außerdem gibt es mehr Munition«, erklärt er. Die DSB-Unterstützung im B2-Kader wäre um mehr als 50 Prozent geringer gewesen. 

Nach seinem fulminanten letzten Jahr in der Altersklasse der Junioren muss sich der Rabenauer aber mit dem Notfallplan zunächst nicht beschäftigen. In seiner Disziplin Trap schaffte er die Qualifikation zur Europa- und Weltmeisterschaft und heimste bei Internationalen Junioren-Wettkämpfen (IWK), Ranglisten sowie Verbandsrunden eine Topplatzierung nach der anderen ein. Besonders stolz sein kann er dabei auf den IWK-Triumph in Finnland und das Ergebnis des Männer-Weltcups in München, zu dem ihn Bundestrainer Uwe Möller nominierte. In der Landeshauptstadt war die Zeit reif für 119 Scheiben. Nur sechs Scheiben landeten also unbeschadet am Boden. Nach dem Wettkampf erhielt Faulstich sein neues Sportgerät aus dem Hause Krieghoff. Es ist »der Mercedes unter den Flinten«, wie er sagt. Die Waffe hat einen Wert von etwa 13 000 Euro, wobei es neue Flinten schon für die Hälfte des Geldes gibt. 

20150201 02 faulstichObwohl es für den Rüddingshausener und seine Mitstreiter hauptsächlich um Präzision geht, ist man andauernd unterwegs. Nach jedem Schuss wechseln die Schützen zum nächsten von insgesamt fünf Schießständen und jagen eine weitere Schrotladung in Richtung Tontaube. Nachdem jeder Teilnehmer 25 Scheiben beschossen hat (je fünf pro Stand), ist eine Serie beendet. Internationale Wettkämpfe sehen bei den Männern wiederum fünf Serien vor, sodass eine maximale Trefferzahl von 125 Scheiben möglich ist. 

Das Gen für Schrot und Flinte hat er von Vater und Onkel. Überhaupt kann man bei den Faulstichs von einer Schützenfamilie reden. Cousin Sören genoss ebenfalls Nationalkaderstatus. 800 Meter von Luca Faulstichs zu Hause in Rüddingshausen befindet sich der Schießstand des heimischen KKSV. Hier kann er trainieren, wann immer er will. Ansonsten verbringt der 20-Jährige viel Zeit im Leistungszentrum des DSB in Wiesbaden. Sein Trainer ist Michael Eck. Über ihn sagt der B-Kaderschütze: »Er hat mich immer angemessen betreut und mir ein gutes Trainingsprogramm zusammengestellt. Auch auf der persönlichen Ebene komme ich mit ihm sehr gut klar. So bin ich dabei geblieben und habe auch den Spaß nicht verloren.«

»Ich bleibe«

Auch mit seinem Beruf lässt sich die Tontauben-Passion exzellent vereinbaren. »Ich habe von Anfang an das Gespräch gesucht, und mein Ausbildungsbetrieb hat mir da keine Steine in den Weg gelegt. Im Gegenteil«, erklärt der angehende Industriemechaniker, der für alle Wettkämpfe vom Arbeitgeber freigestellt wird. Dafür ziert das Unternehmenslogo die Sportkleidung von Faulstich. 

Als weiteren Schritt auf dem Weg nach oben könnte ein Vereinswechsel infrage kommen. Doch davon scheint der Rabenauer, der als Ausgleich gerne Basketball spielt, weit entfernt zu sein. »Natürlich denkt man da mal drüber nach. Der Vorteil in Wiesbaden wäre, dass es noch leistungsorientierter zugeht. Zudem hätte ich auch bessere Chancen auf Mannschaftsmedaillen«, so Faulstich. »Aber das ist für mich kein Thema. Mein Vater ist Vorsitzender des KKSV Rüddingshausen, meine Mutter Schriftführerin. Ich bleibe.«

Quelle: Giessener-Allgemeine.de
Fotos: fk-wurfscheibe.de